Immer ‚am Ball‘ – langjähriges Training trägt ‚aussichtsreiche‘ Früchte
Zurück13.07.2021
Amy Milz, 15 Jahre alt und noch Schülerin der Klasse 9b, wird bereits vor Schuljahresende das Albeck-Gymnasium verlassen und ‚neue Pfade‘ betreten. Beide Bestandteile dieses Ausdrucks treffen nur bedingt zu, denn Amy wird zukünftig nicht auf Pfaden, sondern auf den Fußballfeldern des FC Freiburg unterwegs sein, neu sind diese für sie auch nicht, denn vor dem endgültigen Transfer ergaben sich bereits mehrere Gelegenheiten, badischen Rasen unter den Fußballschuhen zu spüren. Rosalie Dorner und Emma Lumsden, beide Mitschülerinnen aus der 9b, führten mit Amy ein Interview, um Genaueres über deren ambitionierte und erfolgreiche Fußballerinnen-Karriere zu erfahren.
Wie bist du zum Fußball gekommen?
Alle meine Verwandten spielten Fußball, auch meine Oma und mein Opa, da war es selbstverständlich, dass ich mit vier Jahren bei den Bambinis der SG Empfingen mitmachte. 2015 wechselte ich zur E-Jugend des SV Zimmern und zwei Jahre später zur TSG Balingen. Die Mehrheit der Spieler waren in Zimmern und Balingen Jungen, erst 2019, als ich ein Zweitspielrecht beim SV Eutingen erhielt, traf ich auf eine reine Mädchenmannschaft.
Auch in Freiburg werde ich nur mit Mädchen bzw. jungen Frauen spielen. Wir wissen bereits, dass ich während der Schulzeit zweimal die Woche in den beiden ersten Stunden und viermal abends Training haben werde, hinzu kommen die Spiele am Samstag. Die Staudinger Gesamtschule, die ich besuchen werde, kooperiert mit dem FC Freiburg, dem Internat und dem Olympia-Stützpunkt, sieben weitere Spielerinnen aus meinem Team werden in meiner Klasse sein.
Auf welcher Position spielst du?
Ich spiele regulär zentrales Mittelfeld oder Innenverteidiger, das richtet sich immer nach der Entscheidung der Trainer oder nach den Positionen der Mitspielerinnen.
Was macht dir am Fußballspielen Spaß?
Mein Leben besteht ganz einfach aus dem Fußballspielen, ich finde es toll, dass es ein Teamspiel ist und dieses immer wieder neue Herausforderungen an mich stellt, auf die ich mich einlassen muss.
Welche persönlichen Ziele hast du?
Ich möchte mich persönlich entwickeln, das gilt für mich als Mensch und als Fußballspielerin.
Musst du auch andere Sportarten betreiben, um Höchstform zu bieten?
Während der Pandemie ging ich regelmäßig Joggen und habe Athletiktraining betrieben, dazu gehörten Koordination und Schnelligkeit. Zwei professionelle Trainer und Physiotherapeuten hatten einen Trainingsplan speziell für mich und meine hohen Anforderungen ausgearbeitet und betreuten mich bei dessen Umsetzung.
Welche Tipps würdest du Spielern geben, die mit dem Fußballspielen beginnen oder ebenfalls über eine sportliche Karriere nachdenken?
Sie sollten selbstbewusst sein und immer auf ihr Bauchgefühl hören, ob das, was sie gerade tun oder vorhaben, richtig ist.
Im Film ‚Kick it like Beckham‘ will die zentrale Figur, ebenfalls ein Mädchen, in Amerika Karriere machen. Wie denkst du über einen Auslandaufenthalt?
Ich würde gerne bei Paris St. Germain spielen. Zum einen reizt mich die Stadt, zum anderen gibt es dort ein gutes Training.
Hast du oder hattest du ein Fußball-Idol?
Ja, das ist Javi Martinez, der nun vom FC Bayern zu Qatar SC wechselt. Er machte immer die Arbeit im Hintergrund. Meine Trikotnummer ist die 8, die trägt Martinez auch. Bei den Frauen ist es Lina Magull, sie wechselte vor knapp vier Jahren vom FC Freiburg zu Bayern. Sie spielt wie ich zentrales Mittelfeld. Im Übrigen sind alle aus meiner Familie Bayern-Fans.
Was benötigt man als Ausstattung?
Ich habe Fußballschuhe für die Halle, für den Rasen und für den Kunstrasen, aber ich kaufe erst dann neue Schuhe, wenn ich welche benötige. Im Verein müssen die Trikots immer abgegeben werden. Der FC Freiburg hat zugesagt, mir die komplette Ausstattung zu stellen, bei den Schuhen weiß ich es noch nicht. Die liegen preislich teilweise im dreistelligen Bereich, da kommen schon einige Kosten zusammen.
Für wen warst du denn bei der EM?
Ich hätte mich gefreut, wenn Deutschland den Pokal bekommen hätte, aber das ist ja jetzt vorüber. England würde ich es wünschen, weil die Spieler einen sehr viel Teamgeist zeigen, oder Spanien, dort gibt es gute Einzelspieler.
Bist du gespannt, was in Bezug auf Schule und Mitschüler*innen auf dich zukommen wird?
Den Tagesverlauf kenne ich, wir haben am Vor- und Nachmittag Schule, dazu das Training, das ich bereits erwähnt habe. Nach den Spielen am Samstag fahre ich, so der aktuelle Plan, nach Hause. Einige meiner Mitschülerinnen kenne ich, weil ich letztes Jahr am Trainingslager teilgenommen habe, darüber hinaus spielen sie wie ich in der U-15-Nationalmannschaft.
Gesichtet wurde ich vor längerer Zeit, als ich in einer gemischten Mannschaft mitspielte. Der Scout meinte, dass ich ein Junge wäre, weil ich kurze Haare hatte. Das klärte sich schnell. Wenig später wurde ich in die Frauenabteilung des FC Freiburgs eingeladen – und dann hat sich eben alles entwickelt.
Was war denn bis jetzt dein größter Erfolg?
Ich spielte 2019 beim Länderpokalspiel in Duisburg im Team der Baden-Württemberg-Auswahl mit, aus dem wir als Siegerinnen hervorgingen.
Solche Erfolge wünschen wir Amy auch für ihre Zukunft - als Schule, Lehrkräfte und Mitschüler*innen – und vor allem Freude am Sport sowie eine nette, harmonische und verständnisvolle Gemeinschaft.
Sulz, 30. Juni 2021

