Geschichte aus erster Hand: DDR-Zeitzeugin Konstanze Helber zu Gast am AGS

Zurück

13.10.2026

Eine besondere Begegnung erlebten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 11 und 13 am Dienstag, den 13.10.2026: Die DDR-Zeitzeugin Konstanze Helber war zu Gast und berichtete in der voll besetzten Aula aus ihrem Leben.

Konstanze Helber wurde 1954 in Camburg in Thüringen geboren. Nachdem ihr die Zulassung zum Abitur verwehrt worden war, absolvierte sie in Jena eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester. Als ihre Ausreiseanträge aus der DDR abgelehnt wurden, entschied sie sich 1977 zur Flucht. Versteckt im Kofferraum eines eigens dafür umgebauten Autos sollte sie in den Westen gebracht werden. Doch der Fluchtversuch scheiterte. Frau Helber wurde verhaftet und zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Von 1977 bis 1979 war sie im Frauenzuchthaus Hoheneck in Stollberg inhaftiert. Nach insgesamt 27 Monaten Haft wurde sie im April 1979 freigekauft und konnte in den Westen ausreisen. Seit 2011 berichtet sie als Zeitzeugin an Schulen von ihrem Leben in der DDR, ihren Fluchtplanungen, der Haft und ihrem Neuanfang im Westen.

Besonders eindrücklich war die Verbindung zwischen den historischen Ereignissen, die aus dem Unterricht bekannt sind, und den ganz persönlichen Erfahrungen eines Menschen, der diese Zeit selbst erlebt hat. Wie sehr ihr Bericht die Schülerinnen und Schüler beschäftigte, zeigte sich daher in der anschließenden Fragerunde. Zahlreiche Fragen wurden gestellt – zum Fluchtversuch, zur Haft, zum Alltag in der DDR, aber auch dazu, wie diese Erfahrungen Frau Helbers weiteres Leben geprägt haben.

Gerade solche Begegnungen zeigen, welchen besonderen Beitrag Geschichtsunterricht zur Demokratiebildung leisten kann. Begriffe wie Diktatur, politische Verfolgung, Meinungsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit oder persönliche Freiheit bleiben nicht abstrakt, sondern werden durch die Erfahrungen einer Zeitzeugin konkret und greifbar. Wer versteht, was es bedeutet, wenn grundlegende Rechte eingeschränkt oder Menschen aufgrund ihrer Entscheidungen und Überzeugungen verfolgt werden, kann auch den Wert demokratischer Strukturen bewusster wahrnehmen.

Zeitzeugengespräche eröffnen damit nicht nur einen unmittelbaren Zugang zur Vergangenheit. Sie regen auch dazu an, über die Gegenwart nachzudenken, Fragen zu stellen, unterschiedliche Perspektiven wahrzunehmen und sich mit der eigenen Verantwortung in einer demokratischen Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Wir danken Frau Helber sehr dafür, dass sie ihre Erinnerungen so offen mit unseren Schülerinnen und Schülern geteilt und sich ihren vielen Fragen gestellt hat.

Ihr Besuch soll künftig zu einer jährlichen Tradition am AGS und zu einem festen Bestandteil unseres Geschichtscurriculums werden. So möchten wir auch zukünftigen Schülergenerationen ermöglichen, Geschichte aus erster Hand zu erleben und zugleich ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit keine Selbstverständlichkeiten sind.