Alternative Stadtführung in Stuttgart

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19.06.2026

Stuttgart- vermutlich für viele ein reines Vergnügungsziel. Eine Stadt, die für viele nicht über die Königsstraße, das Stadion des VfB-Stuttgart und die Schleyerhalle nicht hinausgeht. Aber das ist für viele Menschen aus Stuttgart nicht die Realität. Nicht weit entfernt von beliebten Ausflugszielen herrscht eine Lebensrealität, die wir uns vermutlich nicht vorstellen können, geschweige denn wollen. Obdachlose, Prostituierte und Drogenabhängige- alles Menschen, die dort ihren Lebensmittelpunkt haben, aber in unserer Wahrnehmung oft gar nicht vorkommen. “Wie leben diese Menschen?” und “Wie sieht der Alltag dieser Menschen aus?” Fragen, mit denen man sich beschäftigen sollte, wenn man mit der Existenz dieser marginalisierten Gruppen konfrontiert wird. Diese Bildungslücke wurde bei den Religionsklassen aus Stufe 11 glücklicherweise von Doris Walter, einer ehemaligen Prostituierten, am 19.06.2026 geschlossen.

Gestartet hat unsere Stadtführung am Charlottenplatz, ein Platz, an dem viele Obdachlose lebten.  Doch da diese dort unerwünscht waren wurden einige Maßnahmen ergriffen, um diese von dort fortzujagen. So wird beispielsweise klassische Musik gespielt, da diese laut Studien die Obdachlosen am frühsten dazu bringt den Ort zu verlassen. Am Charlottenplatz wurden auch Läden eingerichtet und die Decken weiß gestrichen, um den Unterschlupf dort für die Obdachlosen zu erschweren. Weiter ging es zu einer Wärmestube der Caritas, eine Anlaufstelle für viele Obdachlose. Für fünf Wochen im Jahr ist die Vesperkirche eine weitere Anlaufstelle. Eine Vesperkirche ist ein soziales Projekt, bei dem Kirchengebäude vorübergehend als Begegnungsort und Speisesaal für Menschen aller sozialen Schichten geöffnet werden. Die Vesperkirche in Stuttgart war die erste in Deutschland und damit ein Vorbild für viele weitere. Nach dem Schock darüber, wie teuer dieses gemeinnützige Projekt ist (ca ¼ Millionen Euro) kam sofort der nächste Schock. Ein Spielplatz, mitten in der Stadt, eigentlich ein unscheinbarer Ort, aber mit verstecken Gefahren: Spritzen von Drogenabhängigen, die im Sand liegen. Drogen sind ein großes Problem in Stuttgart, sowie in vielen anderen Städten. Um den vielen Drogentoten entgegenzuwirken, gibt es auch für Drogenabhängige Anlaufstellen. So wie unser nächster Stop: der Kombo. Der Kombo ist ein Konsumraum mit Beratung und Orientierung. Hier können Drogenabhängige sich Drogen in einem sicheren Umfeld spritzen, damit keine Spritzen auf Spielplätzen liegen gelassen werden, und sie werden beraten und kriegen Orientierung für ihr Leben. Nachdem wir uns mit Drogenabhängigen als marginalisierte Gruppe beschäftigt hatten, wurden mir mit der Lebensrealität einer weiteren Rand-Gruppe konfrontiert: Prostituierten und deren Arbeitsort das Rotlichtmilieu und den verschiedenen Hilfsangeboten, um den Ausstieg aus dieser Branche zu finden. Unser vorletzter Halt war ein Frauenwohnhaus. Dort können Frauen eine sichere Unterkunft, Schutz und Unterstützung bekommen, direkt neben einer Polizeistation, da Gewalt hier leider an der Tagesordnung ist. Schließlich waren wir beim Schlupfwinkel, eine Anlaufstelle für obdachlose Kinder und Jugendliche.

Abschließend wollen wir uns noch bei unserer Stadtführerin Doris Walter bedanken, die uns trotz der großen Hitze und unserer Verspätung unvergessliche Einblicke in den Alltag und die Lebensrealität der marginalisierten Menschen geben konnte und unseren Horizont dadurch wertvoll erweiterte.